Gesta Treverorum - Ein Tuchhändler im Spätmittelalter

Trier bekam im Jahr 1303 eine neue Ratsverfassung, in der erstmals auch Sitze an Bürger der Stadt vergeben wurden. Insgesamt bestand dieser Rat aus 28 Mitgliedern, 14 Schöffen und 14 Mitgliedern der ansässigen Zünfte. Die ersten beiden Plätze der Zünfte werden von der Wollweberzunft besetzt, keine andere Zunft erhält gleich zwei Sitze. Dies ist ein Zeichen der Bedeutung der Wollweber in Trier.

Ein weiteres Indiz für die große Bedeutung dieser Zunft bieten die Handwerkslisten, die Beziehungen zu anderen textilen Berufszweigen und Handelsbeziehungen zu weiteren Städten.

Im Spätmittelalter gelingt es den Wollwebern das gesamte Leinentextilgewerbe unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch die Färber waren Lohnnehmer der Wollweber. Während der Beruf des Wollwebers laut zeitgenössischen Steuerlisten scheinbar den Männern vorbehalten bleibt sind sowohl männliche als auch weibliche Leinenweber und Färber in Trier verzeichnet.

Zu Beginn des 15. Jahrhundert stößt man immer häufiger auf "bereits seit langem" existierende Handelsbeziehungen zu Messestädten wie Köln oder Frankfurt. In Frankfurt werden beispielsweise Privathäuser von den Trierer Wollwebern- und händlern gemietet um dort ihre Waren zu verkaufen. Wie lange diese Handelsbeziehungen aber schon existieren lässt sich aktuell noch nicht abschließend sagen.

Die Textilbranche des späten Mittelalters ist in Trier bereits stark spezialisiert. Dies ergibt sich aus Steuerlisten des 14. Jahrhunderts. Es gibt nicht nur Näher und Schneider, bzw. Leinen-und Wollweber als getrennte Berufe, sondern sogar Wollkämmerinnen, Wollschläger, Walker, Tuchscherer und verschiedene sehr spezialisierte Berufe wie die "Schleierweberse".

Ein weiterer Aspekt der aus diesen Steuerlisten ergeht ist der Hinweis auf den Zuzug neuer Handwerker aus bedeutenden Textilzentren wie etwa Maastricht, Köln oder Brabant. Dies geht aus Namenszusätzen wie beispielsweise "von Köln" hervor.

Quellenangaben:

  • 2000 Jahre Trier - Trier im Mittelalter
  • Richard Laufner, Hans-Hermann Kocks - Trierisches Handwerk
  • Alfred Arlt - Geschichte der Trierer Wollindustrie, besond. der Wollweberzunft